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Seit 25 Jahren: Der Ernstfall ist in Biskirchen auch Frauensache

Von Sabine Glinke (06441) 959697 lokalredaktion.wnz@mail.mittelhessen.de

Frauen

Stolz auf weiblichen Einsatz (hintere Reihe von links): Ehrenvorsitzender Werner Opitz, Feuerwehrfrauen MarieLuise Ambrosius, Brigitte Ambrosius-Ruggia, Sabine Straß-heim, Margret Neugebauer, Ingrid Daniel und Wehrführer Thomas Straßheim. Vorne von links: Feuerwehrfrauen Tanja Plusch, Miriam Zieres, Petra Jimenez und Helga Glöckner. (Foto: Glinke)

Leun-Biskirchen (Lahn-Dill-Kreis). „25 Jahre Frauen bei der Feuerwehr" – darauf blickte die Freiwillige Feuerwehr Biskirchen am Wochenende (7. Oktober) stolz zurück. Beim Feuerwehrfest standen deshalb in diesem Jahr die aktiven Frauen im Mittelpunkt. Derzeit hat der Leuner Ortsteil neun aktive Frauen (insgesamt 32 Einsatzkräfte). Beim Nachwuchs sind schon sieben von 19 Mitgliedern weiblich. Über Tätigkeit, Beweggründe und Probleme der weiblichen Löschkräfte sprach Mitarbeiterin Sabine Glinke mit den Aktiven Brigitte Ambrosious-Ruggia, Marie-Luise Ambrosius, Ingrid Daniel und Sabine Straßheim, den aus dem Dienst verabschiedeten Helga Glöckner und Margret Neugebauer, sowie mit Wehrführer Thomas Straßheim und Werner Opitz, dem Ehrenvorsitzenden des Feuerwehrverbandes Wetzlar.

Wie kamen Sie als Frau dazu, das „Hobby" Feuerwehr zu wählen?

Glöckner: Viele von uns haben Männer bei der Feuerwehr. Und der Gedanke war ja einmal, dass die Frauen zu Hause sind, um die aktiven Männer zu unterstützen. Aber dann kann man ja auch gleich selbst aktiv mitmachen.

Neugebauer: Mich hat meine Tochter mitgezogen. Die war beim Spielmannszug und bei der Jugendfeuerwehr.

Die Aufgaben für Frauen und Männer unterscheiden sich nicht. Wie hat das Umfeld auf den weiblichen Einsatz reagiert?

Ambrosius-Ruggia: Es gab anfangs schon den einen oder anderen Kameraden, der das sehr skeptisch gesehen hat. Und das ist auch heute noch der Fall, überall.

Ambrosius: Die Feuerwehr ist immer noch eine Männerdomäne. Deshalb ist es schwierig. Neugebauer: Unser Plus war es noch, dass wir gleich eine Gruppe von neun Frauen waren, die zusammengehalten hat.

Ambrosius-Ruggia: Und es war gut, dass der Vorstand hinter uns gestanden hat.

Wehrführer Straßheim: Das Problem ist, macht Mann einen Fehler, dann wird das nicht so eng gesehen. Macht Frau einen, dann heißt es: Das haben wir ja gleich gewusst.

Was sind denn die Vorurteile?

Ehrenvorsitzender Opitz: Laut Gesetzt sind die Frauen gleichberechtigt. Und es ist dort von Feuerwehrangehörigen und nicht von Feuerwehrmännern die Rede. Aber vor Ort ging es dann mit den Reden los: Wir können keine Frauen aufnehmen, wir haben keine Damentoiletten, hieß es. Beim nächsten Mal waren es die Umkleideräume.

Wehrführer Straßheim: Als das damals mit den Frauen anfing, war ich in der Jugendfeuerwehr. Da kamen dann die Frage auf: Packen die das? Man muss ja schon eingestehen, dass bei körperlicher Arbeit, je nachdem, was zu tun ist, Männer besser geeignet sind als Frauen. Eine Frau kann aber trotzdem genauso aktiven Dienst machen wie ein Mann, denn sie hat dafür andere Stärken. Dazu gehört oft die Ausdauer und das Feingefühl in der Betreuung von Verletzten. Wie sieht die Entwicklung derzeit aus?

Ehrenvorsitzender Opitz: Es gibt im Kreis Wetzlar 130 bis 140 aktive Feuerwehrfrauen. Es ist ein Auf und Ab, wie auch bei den Jugendfeuerwehren.

Können Sie sich an besondere Einsätze erinnern?

Wehrführer Straßheim: Es gab einen Auffahrunfall, wo Dieselöl ausgelaufen war. Wir kamen mit sechs Feuerwehrleuten an – vier Frauen und zwei Männer. Die Polizisten haben geschmunzelt. Aber was soll das? Die Arbeit wurde genauso gemacht.

Neugebauer: Der erste Einsatz, wo wir nur Frauen waren, war ein Schornsteinbrand. Das war körperlich harte Arbeit. Wir waren dann sehr froh, als ein männliches Mitglied kam.

Gibt es noch andere Probleme oder Vorteile?

Ambrosius-Ruggia: Der Besuch von Lehrgängen auf Landesebene ist schwer, da man dann die ganze Woche weg ist. Ein Mann fragt seinen Arbeitgeber und fertig. Doch bis ich meine Kinder versorgt wusste, das dauerte seine Zeit.

Wehrführer Straßheim: Wichtig ist, egal ob Mann oder Frau, dass man einen Partner hat, der dazu steht, dass man sich auch mal über schlimme Dinge unterhalten kann.

Links zum Thema:

http://213.198.59.194/index-frauen.htm

http://www.frauennetz.schleswig-holstein.de/servlet/is/1502/

http://www.innenministerium.bayern.de/presse/daten/1d/4700.htm

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